
Thomas Tuchel steht für die Trainerseite beim Mercedes-Benz Junior Cup. Als Co-Trainer der U19 des VfB Stuttgart stand er im Jahre 2005 an der Bande – als Bundesligatrainer hat er beim FSV Mainz 05 den Durchbruch geschafft.
Herr Tuchel, was sagt Ihnen der Mercedes-Benz Junior Cup in Sindelfingen?
Thomas Tuchel: „Er ist eines der renommiertesten Junioren-Hallenturniere in Europa, wahrscheinlich sogar weltweit. In punkto Organisation, Atmosphäre und sportlicher Anspruch passt einfach alles bei diesem Turnier.“
Was sind konkret Ihre persönlichen Erinnerungen an dieses Turnier?
Thomas Tuchel: „Ich habe das Turnier als Co-Trainer der späteren A-Junioren-Meistermannschaft des VfB Stuttgart erlebt, in der unter anderem Sami Khedira und Andi Beck gespielt haben. Es ist ein einmaliges Erlebnis für alle Teilnehmer.
Die Spieler fiebern dem Turnier lange entgegen, es ist hinterher auch noch lange Gesprächsstoff. Für sie ist es ein absolutes Highlight der Saison. Und für die Trainer bietet das Turnier eine tolle Plattform zum Austausch unter Kollegen.“
Fördert eine Rundumbande die Schnelligkeit des Spiels bzw. Handlungsschnelligkeit der Spieler?
Thomas Tuchel: „Die Rundumbande fördert sicherlich die Handlungsschnelligkeit, weil sich die Spieler ständig wechselnden Spielsituationen stellen müssen. Und weil die Rundumbande wie ein Mitspieler fungiert und auch einmal unpräziseres Spiel verzeiht, ist sie vor allem auch
für die Zuschauer attraktiv.“
Wer war für Sie bisher der kompletteste Jugendspieler, den sie gesehen haben?
Thomas Tuchel: „Ich war beim VfB Stuttgart ab der U14 verwöhnt mit Jugendspielern, die großes Talent hatten wie zum Beispiel Sami Khedira, Serdar Tasci, Andi Beck oder Sven Ulreich. Die Beurteilung ist natürlich immer positionsabhängig.
Aber beispielsweise bei Kevin-Prince Boateng konnte man schon in der U15 von Hertha BSC sein herausragendes Talent als Offensivspieler erkennen.“
Welcher Spieler hat Sie am meisten überrascht beim Übergang vom Jugendspieler zum Profi, d.h.: Bei welchem war die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität am größten?
Thomas Tuchel: „André Schürrle ist ein aktuelles Beispiel für eine überaus positive Entwicklung. Er hatte als Juniorenspieler von Mainz 05 ganz offensichtlich großes Talent. Dass er aber in seinem jungen Alter unter den schweren Bedingungen einer europäischen Top-Liga direkt in der Lage war, uns
in der Bundesliga zu helfen, uns besser zu machen – und zwar von der ersten Minute an und ohne Anlaufzeit – das war doch eine außergewöhnliche und so nicht zu erwartende Leistung …
… und negativ
Thomas Tuchel: „Da möchte ich gar nicht konkret werden. Meine Erfahrung im Juniorenbereich sagt mir: Herausragendes Talent alleine reicht nicht. In den Charaktereigenschaften wie Lernbereitschaft, Willensstärke, Ehrgeiz und Bescheidenheit trennt sich die Spreu vom Weizen.